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SEHENSWERTE ALTE RUINEN

Ruine Eldena bei Greifswald

Merkwürdig mag auf den ersten Blick die Feststellung erscheinen, dass auch zerfallene Bauwerke einen großen Reiz ausüben können. Niemand möchte schließlich gerne in einer Bruchbude wohnen. Doch wenn man die Aussage auf die bloße Betrachtung sehr alter und imposanter Ruinen begrenzt, so zeigt sich in diesem Reiz immerhin eine besondere Wertschätzung für längst vergangene erhabene Zeiten. Eine solche Begeisterung für zerfallene Bauwerke, die man auch manchmal Ruinenromantik nennt, hat ihren Ursprung sicherlich in der Wiederentdeckung der Antike und der Bewunderung ihrer Ausdrucksformen zur Zeit der Renaissance und des Klassizismus. Diese Bewunderung erstreckte sich natürlich auch auf die architektonischen Hinterlassenschaften der alten Römer und Griechen, die auch damals schon bis auf wenige Ausnahmen nur im ruinösen Zustand erhalten waren. Während der Epoche des Klassizismus erweiterte sich die Begeisterung für das antike Altertum auch auf das Mittelalter und die Ruinen seiner alten Burgen, Kirchen und Klöster. Sie verwandelten sich plötzlich ebenfalls zu einem verheißungsvollen Abbild der so genannten guten alten Zeit.

Das trifft auch auf die Klosterruine Eldena bei Greifswald zu, die nicht nur den Maler Caspar David Friedrich vor zweihundert Jahren stark beeindruckte. Mehrere Male hat er übrigens diese alte Backsteingemäuer als Motiv für seine Gemälde verwendet. Auch heute noch kann man Friedrichs Faszination sicherlich nachempfinden, wenn man sich die umfangreichen und imposanten Reste des 1199 gegründeten Klosters am jetzigen Stadtrand von Greifswald anschaut. Wie das ehemalige Zisterzienserkloster in Eldena wurde auch die Franziskanerklosterkirche in Stralsund zur Zeit des 30-Jährigen-Krieges zerstört. Während das Schiff eine Ruine blieb, errichtete man im 17. Jahrhundert aus den Resten des Chores die so genannte kleine Johanniskirche. Diese wurde dann aber wiederum im 2. Weltkrieg zerstört und seitdem nicht mehr aufgebaut.

Klosterruine Eldena bei Greifswald   Überreste der Johanniskirche in Stralsund
Klosterruine Eldena und Überreste der Johanniskirche in Stralsund

Wie die Klosterruine in Eldena war auch die beachtliche Burgruine Landskron zwischen Anklam und Altentreptow schon im 19. Jahrhundert ein beliebtes Tagesausflugsziel für Menschen aus der unmittelbaren Umgebung. Ein Turm der zerfallenen Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert wurde zu diesem Zweck sogar nachträglich als Aussichtsturm hergerichtet. Auch heute darf man Landskron sicherlich immer noch als ein beschauliches Plätzchen für begeisterte Ruinenromantiker bezeichnen.

Ecktürme der Burgruine Landskron
Burgruine Landskron

Weitere interessante Burgruinen befinden sich u. a. in den Dörfern Spantekow und Klempenow. Während sich von der Burg in Spantekow noch beträchtliche Reste vom umlaufenden Festungsmauerring und den davor liegenden Wassergräben und Wällen erhalten haben, steht in Klempenow sogar noch ein überaus imposanter hoher Burgturm und ein angrenzender Gebäudeflügel.

Burg Spantekow
Mauerring der Burg Spantekow

Die gewiss ebenfalls eindrucksvollen Überbleibsel der mittelalterlichen slawischen Burgen in der Region weisen heute leider keine sichtbaren Gebäudestrukturen mehr auf. Das wird wohl hauptsächlich daran liegen, dass sie größtenteils aus Holz errichtet worden waren. Trotzdem kann man die noch erhaltenen slawischen Burgwälle zu den beachtenswertesten Ruinen in Vorpommern zählen. Am Kap Arkona auf Rügen trifft man z. B. auf die Überreste der Jaromarsburg, die vom 6. bis zum 12. nachchristlichen Jahrhundert an dieser nordöstlichen Spitze der Insel bestanden hatte. Von der aus Holz errichteten Festung sind heute nach mehreren Uferabbrüchen nur noch Teile der imposanten Wallanlagen vorhanden. Ein weiterer, ebenfalls gut erhaltener slawischer Burgwall auf Rügen befindet sich in der kleinen Stadt Garz.

Wall der Jaromarsburg auf Rügen
Wall der Jaromarsburg auf Rügen

Eisenbahnhubbrücke Karnin
Eisenbahnhubbrücke in Karnin

Auch bedeutend jüngere Ruinen aus dem 20. Jahrhundert können recht ansehnlich und reizvoll wirken. Mitten im Peenestrom zwischen dem Festland und dem Dorf Karnin auf der Insel Usedom steht das eindrucksvolle Hubwerk einer ehemaligen Eisenbahnbrücke. Die 35 Meter hohe und 50 Meter lange Stahlkonstruktion hat als einziges Brückenglied die Sprengung im Jahre 1945 überstanden und dient seitdem nur noch als spektakuläre Sehenswürdigkeit. Während des 2. Weltkrieges und kurz darauf wurden auch fast alle Gebäude der ehemaligen Heeresversuchsanstalt in Peenemünde zerstört bzw. abgetragen. Übrig geblieben sind im wesentlichen nur noch das Kraftwerk, in dem heute das Historisch-Technische-Museum untergebracht ist, und das ehemalige, sehr robust gebaute Sauerstoffwerk, das nun schon seit mehreren Jahrzehnten langsam zerfällt. Ob sich beim Anblicke dieser Industrieruine auch eine Wertschätzung für die gute alte Zeit beim Betrachter einstellen kann, sei allerdings stark bezweifelt. Schließlich ist das ehemalige Sauerstoffwerk ja auch ein Zeichen eines grausamen Terrorregimes, das Deutschland nach nur 12 Jahren zugrunde gerichtet hat.

Ruine des Sauerstoffwerkes in Peenemünde
Ruine des Sauerstoffwerkes in Peenemünde auf Usedom

© Andreas Reuter