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 PEENEMÜNDE

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Bis in die frühe Neuzeit war Peenemünde nur ein unbedeutendes Fischer- und Bauerndorf auf der der Insel Usedom, für das sich eigentlich niemand übermäßig interessierte. 1282 wurde das Dorf zum ersten Male in einer Urkunde erwähnt, in welcher der pommersche Herzog die Stadt Wolgast sowohl mit Stadtrecht nach Lübecker Vorbild als auch mit einem Wiesen- und Weidegebiet im nordwestlichen Teil der Insel Usedom beschenkte. In diesem Gebiet befand sich auch das Dorf Peenemünde, das somit von diesem Zeitpunkt an bis zum Jahr 1936 der Stadt Wolgast gehörte.

Mit Beginn der kriegerischen Epochen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wandte man dem abgelegenen Dorf am Ende der Welt dann doch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu. Da Peenemünde an einer strategisch wichtigen Flussmündung, sprich: an der Mündung der Peene, liegt, über die man auch den Zugang zur Oder und deren weiteren Verlauf im Hinterland kontrollieren kann, war es schließlich 1628 mit der Ruhe für die Dorfbewohner vorbei: Wallenstein ließ in diesem Jahr an der Peenemündung eine mit Erdwällen befestigte Sternschanze errichten. Noch im selben Jahr wurden die Truppen Wallensteins vertrieben, die Dänen nahmen stattdessen die Schanze in Beschlag und benutzten sie als Ausgangsbasis für einen Plünderungszug in Wolgast und in der Umgebung. 1630 kamen dann Gustav II. Adolf und schwedische Truppen. Die Skandinavier kontrollierten die Schanze fast 100 Jahre. Anfang des achtzehnten Jahrhunderts bemächtigten sich schließlich die Preußen der Schanze, ließen sie allerdings in der Folgezeit teilweise schleifen. Heute sind von der einst bedeutenden Schanze nur kümmerliche und nicht unbedingt sehenswerte Reste vorhanden.

Wie schon angedeutet, war Peenemünde ab 1721 nach rund 90-jähriger schwedischer Herrschaft preußisch geworden. Die Peene bildete von diesem Zeitpunkt an bis zum Ende der napoleonischen Kriege 1815 die Grenze zwischen dem schwedischen Reich und Preußen. Peenemünde war nun preußisches Grenzdorf mit zwei außergewöhnlichen Kuriositäten: Einerseits gehörte das Dorf immer noch zu Wolgast und somit zu einer Stadt, die auf der anderen Seite der Peene und somit auf schwedischen Gebiet lag. Andererseits blieb Peenemünde weiterhin in Kröslin eingemeindet, das sich ebenfalls auf dem anderen Peene-Ufer befand. Kurz gesagt: Die Dorfbewohner lebten und wirkten in Preußen, zum Gottesdienst fuhr man aber nach Schweden und ließ sich auch auf schwedischen Territorium in Kröslin bestatten. Etwas zugespitzt und nicht völlig zutreffend gesagt: Die Peenemünder waren im 18. Jahrhundert zu Lebzeiten Preußen, als Leichen jedoch Schweden.

Ab 1815 wurde es wieder etwas ruhiger um Peenemünde. Schließlich wollte man sogar wie die Nachbarorte am Erfolg des Tourismus teilhaben und ein Seebad werden. Obwohl Peenemünde mit der Unvergleichlichkeit seiner schönen natürlichen Umgebung warb und keine Kurtaxe einzog, hielt sich der Urlauberstrom aufgrund der damals schlechten Verkehrsanbindung und der Tatsache, dass das offene Meer einige Kilometer entfernt lag, in sehr bescheidenen Grenzen.

Die Ansiedlung der berühmt-berüchtigten Luftwaffen- und Heeresversuchsanstalt ab 1936 bedeutete schließlich ein vollständiges Ende für jegliche Form des Tourismus in Peenemünde auf lange Sicht. Und nicht nur das: Durch den Bau des damals größten Forschungszentrums der Welt, in dem mehr als zehntausend Menschen in einer Vielzahl von neu errichteten Produktions- und Forschungsstätten arbeiteten, musste das alte Dorf Peenemünde sogar komplett weichen: An seinem ursprünglichen Platz wurde ein großes Kraftwerk gebaut. Lange Rede, kurzer Sinn: Ein altes Dorf Peenemünde gibt es nicht mehr.

Die Nazis entwickelten bzw. testeten während dieser Zeit in Peenemünde neue schreckliche Waffen, unter anderem die Flügelbombe Fieseler Fi-103 ("V1") und die Rakete Aggregat A4 ("V2"), schufen dabei aber zwangsläufig auch die Grundlagen der modernen Raketen- und Raumfahrttechnik und machten somit - eher unfreiwillig und ungewollt - Peenemünde als Wiege der Raumfahrt später weltberühmt. Gott sei Dank wurde Peenemünde nicht Wiege des nationalsozialistischen Endsieges, was wohl das eigentliche Ziel der Faschisten und dieser Versuchsanstalt war. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges blieb Peenemünde bis Anfang der 90iger Jahre weiterhin ein Militärstützpunkt. Die erste Flottille der Volkmarine war im Hafen stationiert. Auch den Flugplatz nutzte die NVA weiter. Als schließlich die über 50-jährige militärische Nutzung des Ortes wenige Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung endete, wurde Peenemünde zu einem Museumsdorf umgebaut. Nun setzt man im Gegensatz zum früher gescheiterten Badetourismus auf den Kulturtourismus.

Rein künstlerisch-architektonisch bietet Peenemünde fast nichts. Das Schöne, Wahre und Gute wird man hier auch nicht finden. Und noch viel schlimmer: Das heutige Dorf wirkt immer noch ein wenig wie ein verlassener, abgewickelter und maroder Militärstandort. In wenigen Worten: Peenemünde zählt sicherlich zu den hässlichsten Orten in Mecklenburg-Vorpommern und wird wohl niemals einen Schönheitspreis gewinnen. Dennoch: Mythos und Legende rund um die Heeresversuchsstelle, die Überbleibsel ehemaliger faschistischer und kommunistischer Militärarchitektur, darunter das Kraft- und das Sauerstoffwerk, und nicht zuletzt die vielen Museen (z. B. das U-Boot- Museum, die Phänomenta-Ausstellung und das Historisch-Technische Informationszentrum im ehemaligen Kraftwerk) machen Peenemünde zu einem der interessantesten und unheimlichsten Orte nicht nur auf der Insel Usedom, sondern auch in Vorpommern und in Deutschland.


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Orte in der Nähe von Peenemünde:

 

Wolgast, Kröslin,
Greifswalder Oie,
Krummin
und Lütow ;

 

siehe auch Usedom

Nützliche Links:
Phaenomenta-Ausstellung
U-Boot-Museum
Historisch-Techn.-Informationszentrum
Insel Usedom

© Andreas Reuter