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Die sehr schmale, dafür aber sehr lang gezogene
Insel breitet sich von Norden nach Süden auf einer Distanz von
ungefähr 17 Kilometern unmittelbar westlich vor ihrer größeren
Schwester Rügen aus. Hiddensee ist in größeren Teilen flach, nur
der nördliche Teil, der so genannte Dornbusch, ist hügelig und
erreicht Höhen über 70 Meter. Hier steht unweit der Steilküste auf
dem Bakenberg der fast 30 Meter hohe Leuchtturm aus dem 19.
Jahrhundert in einer fast traumhaft sehenswerten Landschaft.

An die südlichen bewaldeten Abhänge des
hügeligen Dornbusch schmiegt sich das kleine Dorf Kloster
an. Seinem Namen hat es von einem mittlerweile nicht mehr
vorhandenen Zisterzienserkloster erhalten, dessen Standort mit dem
heutigen Dorf ungefähr identisch war. Es wurde im 13. Jahrhundert
als Tochterkloster von Mönchen des Klosters Neuenkamp im heutigen
Franzburg
gegründet, arbeitete dann bis zur Reformation und wurde im
30-Jährigen-Krieg schließlich zerstört.
 
Haus Seedorn und die Inselkirche
Kloster wird gerne das kulturelle Zentrum
Hiddensees genannt, denn in dem Dorf trifft man sowohl zwei
Museen als auch die Inselkirche an. Das kleine Heimat- bzw.
Inselmuseum in einem ehemaligen Seenotrettungsdienstgebäude
stellt vielerlei historische Zeugnisse Hiddensees aus, darunter
eine Kopie des Hiddenseer Goldschatzes, aber auch Informationen
zur Geologie, Flora und Fauna der Insel werden hier angeboten. Eine
Gerhart-Hauptmann-Gedenkstätte befindet sich im Haus Seedorn,
das der berühmte Schriftsteller 1930 kaufte. Auf Hiddensee
verbrachte er nicht nur in seinen späten Lebensjahren häufig die
Sommermonate. Nach seinem Tod 1946 durfte er nicht in seiner
schlesischen Heimat bestattet werden und wurde daher neben der
Kirche in Kloster auf dem Inselfriedhof beigesetzt. Die schöne
Kirche selber wurde schon im 14. Jahrhundert geweiht, erhielt
aber ihr heutiges Aussehen weitgehend bei einem Umbau Ende des 18.
Jahrhunderts. Bemerkenswert in ihrem Inneren sind das ausgemalte
Tonnengewölbe, der alte Kanzelaltar und der darüber schwebende
Taufengel. Dem Badeurlauber wird sicherlich noch interessieren,
das Kloster an seiner Westküste über einen ansehnlichen Sandstrand
verfügt.

Kloster vor der Anhöhe des Dornbusch
Unmittelbar südlich von Kloster beginnt die
Ebene und nach kaum 2 Kilometern Fußmarsch erreicht man das Dorf
Vitte, den größten Ort und Verwaltungssitz der Insel, in dem
sich mehr als die Hälfte der etwas über 1000 Inseleinwohner
niedergelassen hat. Als erstem und somit nördlichstem Haus
begegnet man dem Nationalparkhaus. Es zeigt eine
Ausstellung, die das Anliegen des Nationalparks Vorpommersche
Boddenlandschaft erklären und dabei auch Hiddensee mit seiner
reichen Natur vorstellen möchte. Das Gebäude wurde 1998 als Neubau
eröffnet. Nun aber zu den historischen Bauwerken in Vitte: Neben dem Rathaus, in dem auch die
Touristen- bzw. Insel-Information untergebracht ist, steht
als wohl offensichtlichstes Baudenkmal des Dorfes eine sehenswerte flügellose Windmühle aus alten
Zeiten.

Windmühle und Rathaus in Vitte
Architektonisch ebenfalls bemerkenswert, aber
völlig untypisch für Hiddensee sind zwei Bauwerke in Vitte, die
vom berühmten Architekten Max Taut vor rund 100 Jahren entworfen wurden: das
Asta-Nielsen-Haus mit der Aufschrift Karusel und das
Henny-Porten-Haus. Das letztere der beiden avantgardistischen
Gebäude fällt besonders wegen seines schiefen Daches auf. Wie Haus
Seedorn in Kloster, das Gerhart Hauptmann gehörte, sind die zwei
Häuser übrig gebliebene Zeugen einer längst vergangenen Epoche, in der sich die kulturelle High
Society auf Hiddensee gerne und lange aufgehalten hat, und zwar in
den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Vitte
Inseltypisch hinsichtlich ihrer Architektur
dagegen ist in Vitte die so genannte Blaue Scheune. Sie ist
eine der letzten erhaltenen Räucherkaten auf der Insel, ein
Haustyp, der nicht nur auf Hiddensee, sondern auch allgemein im
norddeutschen Raum im 18. und 19. Jahrhundert weit verbreitet war.

Neuendorf
Etwa 5 Kilometer entfernt von Vitte liegt in
der flachen Ebene das südlichste Dorf auf Hiddensee:
Neuendorf-Plogshagen. Der kleine denkmalgeschützte Ort
Neuendorf bietet für einen modernen Großstadtbewohner sicherlich einen
außergewöhnlichen Anblick: Hier gibt es tatsächlich keinen Asphalt,
sondern nur naturbelassene Wege, außerdem viele kleine weißgefärbten
Reetdachhäuser, die zum Schutz vor Hochwasser auf
kleinen Sandwällen scheinbar mitten auf der grünen Wiese stehen. Keine
Autos, kein Lärm, keine Hektik: Hier wird man wohl Ruhe und Erholung finden,
kann man sich zurecht denken.
Wenn da nicht doch noch der kleine Hafen in Neuendorf wäre, an dem die Fähren
von Stralsund oder Rügen täglich anlegen, schiene der Ort komplett vom
Rest der unruhigen Welt abgeschnitten.

Neuendorf
Noch ruhiger wird es in den noch südlicheren
Teilen Hiddensees. Hier steht der kleinere südliche Leuchtturm,
hinter dem dann ein nicht zugängliches Vogelschutzgebiet beginnt.
Die schönen verlassenen Strände im Schutzgebiet dürfen leider nicht betreten
werden. Jedoch bietet das Seebad Insel Hiddensee an vielen
anderen Stellen genügend schöne betretbare Strände.
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