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Kirche des Heilig-Geist-HospitalsStephanskirche in Gartz an der OderAnlegestelle an der Oder

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Die Stadt Gartz an der Oder

Auch noch das letzte Stückchen Land unmittelbar an der Oder, das den Pommern nach 1945 geblieben war, nahm man ihnen schließlich ebenfalls weg: 1991 wurde die Region um die Stadt Gartz dem Land Brandenburg zugeschlagen. Der ursprünglich vorpommersche Ort ist nun sowohl Grenzstadt nach Polen als auch nach dem heutigen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Geblieben ist allerdings die kirchenpolitische Einordnung: Die Stadt und ihre Umgebung gehören immer noch zur pommersch-evangelischen Kirche.

Stadtwappen von Gartz

Gartz, ursprünglich eine slawische Siedlung, die 1124 im Zusammenhang mit der Missionsreise des Bischofs Otto von Bamberg erstmalig urkundlich erwähnt wurde, verwandelte sich nach der Ostexpansion der Niedersachsen und Westfalen im Laufe des 13. Jahrhunderts in eine deutsche Marktsiedlung. 1249 erhielt sie Stadtrecht nach Magdeburger Vorbild. Die verkehrstechnisch günstige Lage am Ufer der Westoder, der Bau einer Brücke über den Fluss Anfang des 14. Jahrhunderts und zahlreiche Vergünstigungen seitens des pommerschen Herzogshauses sorgten dafür, dass die Stadt im späten Mittelalter einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr und zu Wohlstand gelangte. Zeitweise war sie sogar Mitglied der Hanse.

Ähnlich vielen anderen Orten in Vorpommern folgte auch in Gartz dem lang andauernden wirtschaftlichen Erfolg, der sich nach der Einwanderung der Deutschen eingestellt hatte, schließlich ein steiler ökonomischer Abstieg im Verlaufe des 30-Jährigen-Krieges. 1630, 1635, 1638 und 1639 kam es zu schweren Kämpfen um die Stadt zwischen kaiserlichen und schwedischen Armeen. 1648 endlich wurde das westliche Pommern einschließlich der Stadt Gartz Teil des Schwedischen Reiches. Bevor die Preußen nach Beendigung des Nordischen Kriegs 1720 die Landesherrschaft im Gartzer Gebiet antraten, traf die Stadt noch ein weiterer schwerer Schicksalsschlag: 1713 wurde sie mit Ausnahme der Stephanskirche komplett von russischen Truppen eingeäschert.

 

Speicher am OderhafenKirche des ehemaligen Heilig-Geist-HospitalsOrtsbild

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Storchenturm in GartzStraße nahe der StephanskircheFachwerkhaus im Ortszentrum

Wirtschaft und Handel erholten sich erst im 19. Jahrhundert erheblich. Besonders die Tabak- und Zigarettenindustrie sorgten dafür, dass Gartz wieder aufblühte und sich zu einem schönen Landstädtchen mit damals 4500 Einwohnern entwickelte. Damit war es aber wiederum am Ende des Zweiten Weltkrieges vorbei: Nochmals wurde die Stadt von den Russen stark zerstört. Heute zählt die Gemeinde übrigens rund 2500 Einwohner und weist somit eine kleinere Bürgerschaft als noch vor 150 Jahren auf. Diese Tatsache spricht nicht gerade für einen prosperierenden wirtschaftlichen Standort. Die extreme Randlage des Ortes und der fast 50-jährige Fluch kommunistischer Herrschaft mögen wohl dafür in erster Linie verantwortlich sein.

Ortsbild

Dass es in Gartz überhaupt noch historische Sehenswürdigkeiten gibt, grenzt nahe an ein Wunder, denn auf keinen anderen Ort in Vorpommern ist so stark und oft in mehreren Kriegen eingeprügelt worden wie gerade eben auf diese kleine Oderstadt:

Von der gotischen Stephanskirche aus dem 13./14. Jahrhundert, die 1945 komplett ausgebrannt war, wurde nur der Turm und der Chor wiederhergestellt. Das beide Bauteile verbindende Schiff wurde bei der Restaurierung nicht mehr überdacht und dient nun quasi als Innenhof zwischen Turm und Chor (siehe Foto 2). Auch als Teilruine strahlt der Sakralbau immer noch unverkennbar den Wohlstand und die Erhabenheit des einst reichen mittelalterlichen Ortes aus.

Ackerbürgermuseum in Gartz an der Oder

Diesen Glanz früherer Zeiten kann man ebenfalls am Stettiner Tor erkennen (siehe Fotos 1, 10, 11). In dem alten Gemäuer und im angrenzenden ehemaligen Torwächterhäuschen ist heute übrigens das Ackerbürgermuseum untergebracht. Das Stadttor ist das schönste Überbleibsel der mittelalterlichen Festungsanlagen, von denen sich außerdem beachtliche Reste der Stadtmauer und drei weitere Türme, darunter der Storchenturm (siehe Foto 07), erhalten haben.

Aus dem Mittelalter stammt auch noch die kleine gotische Kirche des ehemaligen Heilig-Geist-Hospitals (siehe Fotos 01 und 05), die heute als Konzert- und Ausstellungsgebäude dient. Sehenswert ist auch ein großer Speicher am Oderhafen (Foto 04), der um 1900 errichtet wurde: In früheren Zeiten wurde dort erst Tabak, dann Getreide gelagert. Heute ist er zu einem Wohngebäude umgestaltet.

 

 
Stettiner TorUmgebung des Stettiner ToresAltes und modernes Gebäude in Gartz

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Orte in der Umgebung von Gartz an der Oder: Penkun

Nützliche Links:
Brandenburg - Vorpommersches Amt Gartz (Oder)

© Andreas Reuter