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Die Hafenstadt
Barth zählt etwas weniger als 10000 Einwohner. Sie liegt nicht an der offenen Ostsee, sondern
am Barther Bodden, einem großen, langgezogenen Gewässer,
das vom Festland und
einer stark gebogenen Landzunge nahezu vollständig in die Zange
genommen wird und daher nur einen sehr schmalen Meerzugang aufweisen kann.
Der dem Ort direkt gegenüberliegende Teil der Landzunge heißt
übrigens Halbinsel Zingst.
Natürlich kann Barth heutzutage ebenfalls ein
bisschen vom überregional florierenden Tourismus profitieren,
aber die ökonomischen Hauptstandbeine bilden zweifellos
Handel, Handwerk, Landwirtschaft und Gartenbaubetriebe. Eine
Schiffswerft ist auch noch vorhanden. 1872 gab es noch derer
fünf: Auch daran kann man erkennen, dass die Bedeutung des
Barther Hafens im Laufe der Zeit eher gesunken ist.
Dennoch kann man mit Recht von einer Hafenstadt
sprechen. Die Bezeichnung Vinetastadt ist dagegen mehr
als fragwürdig, obwohl es Leute gibt, die vollen Ernstes behaupten, die Reste
der sagenhaft reichen Stadt lägen im Schlamme des Barther
Bodden. Der Autor dieser Website ist eher geneigt zu glauben,
dass es ein Vineta, das mitsamt seines Goldes in der Ostsee
versunken ist, nie in dieser Form gegeben hat, sondern die
mittelalterlichen Hinweise auf eine solche Stadt im
Odermündungsbereich irgendwie auf einer Verwechslung mit
Venedig (Vineta - Venezia) beruhen. Und ein bisschen
Seemannsgarn wird wohl auch mitgewirkt haben.
Die Spekulationen um Vineta zeigen eindeutig, dass detaillierte
und gesicherte Informationen zur frühen Stadtgeschichte
Barths leider nicht vorliegen. Auswanderer aus dem niedersächsischen und
westfälischen Raum werden sich wohl im 12. und 13. Jahrhundert im
Zuge der sogenannten Ostexpansion der Deutschen auch in der Stadt am
Bodden niedergelassen haben und eine deutsche Marktsiedlung gegründet
haben. Dafür spricht die Verleihung des Lübecker Stadtrechts im Jahre
1255 an Barth, das ja bekanntlich eine Weiterentwicklung des
Soester Stadtrechts, eines westfälischen Stadtrechts also, darstellt.
Im 14.
Jahrhundert residierte ein Rügenfürst, im 16. Jahrhundert ein
Pommernherzog innerhalb ihrer Stadtmauern. Erst nach dem Aussterben des
rügenschen Fürstenhauses im Jahre 1325 gelangte die damals regional recht
bedeutende Stadt zum Herzogtum Pommern. Nach dem Dreißigjährigem
Kriege jedoch, als auch das pommersche Herzogshaus ausgestorben
war, erreichte sie nie mehr größere politische
Bedeutung.
Heute ist Barth eine reizvolle Kleinstadt mit
viel historischem Charme:
Schöne Bürgerhäuser vergangener Jahrhunderte rahmen den
gepflegten, großflächigen Marktplatz ein, über deren Dächer
sich weithin sichtbar der Turm von St. Marien, einer
dreischiffigen gotischen Hallenkirche (13. - 15. Jahrhundert),
erhebt. Nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt befindet
sich das imposante Adlige Fräuleinstift, ein großer
barocker Gebäudekomplex mit schlossähnlichem Charakter.
Sehenswert ist auch das Dammtor aus dem 14. Jahrhundert,
das letzte noch erhaltene mittelalterliche Stadttor von
Barth.
Im ehemaligen Hospital St. Jürgen befindet sich eine weitere
Attraktion: das Niederdeutsche
Bibelzentrum, ein Museum der besonderen Art,
dessen wertvollstes Ausstellungsstück eine 1588 in
niederdeutscher Sprache gedruckte Heilige Schrift ist.
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